Geschichte der LAKS Baden-Württemberg


Die LAKS Baden-Württemberg e.V. (Landsarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg) wurde 1982 in Tübingen mit dem Ziel gegründet, "die Zusammenarbeit zwischen allen Einrichtungen, die eine alternative und soziale Kulturarbeit betreiben, zu fördern, neue Initiativen zu ermutigen, die Öffentlichkeit über die geleistete Arbeit zu informieren und die Interessen der soziokulturellen Einrichtungen gegenüber den öffentlichen Stellen in Baden-Württemberg zu vertreten." (Gründungsplattform vom 25.09.1982)

Kontinuität und Beständigkeit sind zwei Eigenschaften, die den Zusammenschluss von mittlerweile 69 Soziokulturellen Zentren und Kulturinitiativen in unserem Bundesland seit über 30 Jahren prägen. Politisches Engagement, Experimentierfreude und Kreativität zeigen die andere wichtige Seite dieses Netzwerkes. Vom ersten Aufbegehren gegen den traditionellen Kulturbetrieb bis hin zur staatlichen Unterstützung mit über 3 Millionen € jährlich war ein langer, steiniger Weg, der die Vision "Kultur von unten" gesellschaftsfähig machte.

Aber wie fing alles an?
Vorläufer der LAKS war die ABC (Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Clubs), die politisch-kulturell ausgerichtet war. Zu ihnen gehörten u.a. die späteren Mitglieder der LAKS: Club alpha 60 Schwäbisch Hall, Club Manufaktur Schorndorf, Club Voltaire Tübingen, Club Kuckucksei Nürtingen, W 71 Weikersheim, Laboratorium Stuttgart, Gems Riesalingen, Werkstatt 68 Karlsruhe, Penn-Club mit dem Goldenen Anker Pforzheim (Vorläufer des Kulturhauses Osterfeld).


Soziokultur als Programm und Anspruch entstand in Westdeutschland in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre aus dem Bedürfnis heraus, den etablierten Kulturbetrieben eine neue, politisch motivierte "Kultur für alle" (Hilmar Hoffmann) entgegenzusetzen. Den Begriff Soziokultur selbst brachten Hermann Glaser (Schul- und Kulturdezernent in Nürnberg 1964 bis 1990) und Karl Heinz Stahl in ihrem Aufsatz "Die Wiedergewinnung des Ästhetischen. Perspektiven und Modelle einer neuen Soziokultur" (München 1974) in die Debatte ein. Es ging ihnen darum, die Kultur zu demokratisieren, sie ganzheitlich zu verstehen, eine Chancengleichheit zu verwirklichen und Mitbestimmung zu ermöglichen; Kultur also wieder in einen Erfahrungszusammenhang mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit und dem Alltagsleben zu bringen. Für die Öffnung der Kulturpolitik im Sinne eines weiten Kulturbegriffes hatte das Konzept Soziokultur eine Schlüsselbedeutung.

 

1985 wurden zwei Mitglieder der LAKS, der Goldene Anker und der Club Voltaire, mit dem Kulturpreis der KuPoGe (Kulturpolitische Gesellschaft) ausgezeichnet. Weitere Anerkennung erfuhr die LAKS 1987 vonseiten der Bundesregierung, als der damalige Bundesminister Jürgen Möllemann, Staatssekretär Matthias Kleinert sowie weitere Vertreter der KupoGe und des Dt. Städtetags auf dem "Symposium Soziokultur" in Tübingen die Diskussion mit vorantrieben. Ein wichtiger Schritt von der anfänglichen Konfrontation zu den offiziellen Verantwortlichen der Kulturpolitik und -verwaltung hin zur Kooperation war damit realisiert.

 

Ab 1987 wurden die Soziokulturellen Zentren vom Land Baden-Württemberg finanziell gefördert. Zunächst flossen finanzielle Mittel für Ausstattung, später kamen Sanierungsmaßnahmen, Projekte und 1996 schließlich die Laufende Programmarbeit hinzu, der sogenannte institutionelle Zuschuss. Das Land beauftragt seit Einführung der Förderung die LAKS mit der Erstellung einer jährlichen Vergabeempfehlung, der zu 99 % gefolgt wird. Die besonders zeitintensive Lobbyarbeit wurde vom Sprecherrat (Vorstand) der LAKS ehrenamtlich geleistet, bis 2008 zum ersten Mal eine hauptamtliche Geschäftsführerin in der Geschäftsstelle eingestellt wurde. Die Geschäftsstelle ist 2014 auf den Kreativpark Alter Schlachthof in Karlsruhe umgezogen und mittlerweile mit zwei Angestellten (Geschäftsführung und Assistenz) besetzt.

Im öffentlichen Bewusstsein der Baden-Württembergischen Kulturverantwortlichen sind die Soziokulturellen Zentren längst angekommen. In den Kulturkonzeptionen von 1990 "Kunstkonzeption" und 2010 "Kultur 2020" sind sie mit einem eigenem Schwerpunkt vertreten.

Ein besonderes Highlight der LAKS ist der 1992 ins Leben gerufene Theo-Pinkus-Kulturpreis. Mit dem Preis zeichnet die LAKS Baden-Württemberg besondere Leistungen im Bereich der Soziokultur in Baden-Württemberg aus. Hierbei werden nicht die Künstler/-innen ausgezeichnet, sondern die vielen Kulturschaffenden, die hinter der Bühne stehen. Der Preis wird ca. alle zwei Jahre vergeben.

Die Anzahl der Zentren und Initiativen, die der LAKS beitraten, stieg kontinuierlich an, so dass wir 2017 über 69 Mitgliedseinrichtungen verfügen. Sie sind in allen Regierungspräsidien vertreten, befinden sich in der Stadt und auf dem Land, sind hauptamtlich und ehrenamtlich geleitet und können ihre Kulturarbeit ohne die vielen ehrenamtlich Tätigen gar nicht leisten. 2015 waren 209 Menschen in einem festen Arbeitsverhältnis angestellt, 641 sonstige Mitarbeiter/-innen, zumeist Freelancer, FSJ Kultur, Bundesfreiwilligendienst u.a. und 2.346 ehrenamtlich Tätige. Sie alle drehten das Rad der Soziokultur in Baden-Württemberg und ermöglichten in dem Jahr über 1 Mio. Besuche von Kulturinteressierten.


Informationen zu den Mitgliedszentren und ihrer Arbeit

Die LAKS ist ein eingetragener Verein und der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. als Landesverband angeschlossen.