Wahlprüfsteine zur Soziokultur

Antworten LINKE

Demokratie, Zusammenhalt und gesellschaftliche Wirkung: Welche Rolle spielen Kultureinrichtungen und speziell soziokulturelle Zentren aus Ihrer Sicht für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Vielfalt?

Kunst und Kultur haben aus unserer Sicht eine zentrale gesellschaftliche Funktion: Sie vermitteln einen anderen Blick auf die Welt, regen zum kritischen Hinterfragen an und fördern durch gemeinsame Kulturerlebnisse das soziale Miteinander. Kultureinrichtungen haben in einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft die Aufgabe, einen kritischen Blick auf das gesellschaftliche Miteinander sowie auf Missstände zu werfen und deren Ursachen zu ergründen, um die Lebensbedingungen für alle Menschen solidarisch zu verbessern.

Um die Demokratie zu stärken und eine vielfältige Gesellschaft zu bewahren, wollen wir uns der rechten Vereinnahmung von Kultur entschieden entgegenstellen. Gerade soziokulturellen und selbstverwalteten Zentren messen wir eine enorme Bedeutung bei, weshalb wir die Produktion und den Schutz solcher Orte für temporäre, nichtinstitutionelle und frei zugängliche Künste sowie Räume für Dialog und Austausch fordern und gezielt fördern wollen.

Kulturelle Teilhabe und Zugangsgerechtigkeit: Welche Maßnahmen planen Sie, um kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen zu stärken?

Der Zugang zu Kunst und Kultur darf weder vom Geldbeutel noch von der Herkunft oder den körperlichen Voraussetzungen abhängen. Wir planen ein umfassendes Maßnahmenpaket, um "Kultur für alle" zu verwirklichen:

Wir wollen Kultur direkt zu den Menschen in die Dörfer und Stadtteile bringen. Dabei sollen insbesondere subkulturelle, interkulturelle, migrantische und queer-feministische Kulturangebote stark gefördert werden.

Öffentlich bezuschusste Kultureinrichtungen müssen perspektivisch kostenfrei und barrierefrei werden. Für Menschen mit geringem Einkommen fordern wir eine Landesförderung für Kulturpässe.

Wir planen eine verbindliche Landesförderung für den Einbau von Rampen und barrierefreien Zugängen in allen geförderten Kultureinrichtungen. Dazu gehören auch tastbare Blindenleitsysteme, Untertitel und Audiodeskriptionen bei Vorführungen, der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschung und Leichter Sprache sowie reizreduzierte Umgebungen für neurodivergente Menschen.

Soziokultur in ländlichen Räumen: Welche Bedeutung messen Sie Kultureinrichtungen und speziell soziokulturellen Zentren in ländlichen Räumen bei?

Kulturelle Teilhabe muss auch im ländlichen Raum flächendeckend und gleichwertig gesichert sein, denn Kunst und Kultur sind absolute Ankerpunkte für die Attraktivität des ländlichen Raumes. In ländlichen und ländlich geprägten Regionen sind die Strukturen jedoch häufig defizitär, und die bestehenden Soziokulturellen Zentren, Bibliotheken, Theater und Kunstschulen leiden unter hohem Belastungsdruck durch prekäre Finanz- und Personallagen.

Wir wollen dem entgegenwirken, indem wir Kunstprojekte und soziokulturelle Initiativen in kleineren Kommunen finanziell absichern und das Theater in der Fläche stärken – etwa durch mobile Formate, Kooperationen und die gezielte Förderung kleinerer Häuser.

Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt: Wie werden Sie ehrenamtliches Engagement künftig unterstützen?

Ohne Ehrenamt kann eine solidarische Gesellschaft nicht bestehen. Um das Engagement wieder attraktiver zu machen und Menschen zu entlasten, fordern wir auf Landesebene:

Erhöhung der Übungsleiterpauschalen und die Erstattung aller Fahrtkosten über den Jahressteuerausgleich, ohne Mindestbetrag für Fahrten mit dem Auto.

Die Ausgabe eines landesweiten "Ehrenamtsbonus" in Form von Ermäßigungen in Museen, Schwimmbädern und Kinos. Auf Bundesebene wollen wir zudem einen einheitlichen Freiwilligenpass schaffen. Jugendliche Inhaber*innen der Juleica-Karte sollen günstigere Eintritte erhalten.

Wir fordern einen gesetzlichen Freistellungsanspruch und Lohnfortzahlung bei Einsätzen und Ausbildungen, damit niemand Urlaub opfern muss, um sich zu engagieren.

Ehrenamtliche Organisationen brauchen eine verlässliche Grundfinanzierung für Infrastruktur und hauptamtliches Personal – unabhängig von Spenden. Wir wollen zudem Standardisierungen von Verfahren, um das Ehrenamt von nervenaufreibendem Papierkram zu befreien.

Mit den ökologischen Standards wurde vom Bundesverband Soziokultur eine gemeinsame Grundlage für nachhaltiges Handeln in der soziokulturellen Praxis geschaffen.Welche Programme zur Förderung nachhaltiger Kulturarbeit planen Sie?

"Nachhaltigkeit" in der Kulturpraxis bedeutet für uns sowohl soziale, strukturelle als auch ökologische Nachhaltigkeit:

Wir wollen unzeitgemäße Förderstrukturen aufbrechen und die Bundes- sowie Landeskulturförderung insgesamt nachhaltiger, unbürokratischer und weniger projektorientiert gestalten. Langfristige Stipendienprogramme und die Flexibilisierung des Zuwendungsrechts sollen den ständigen Produktionsdruck mindern und eine solide Rücklagenbildung für freie Zentren und Künstler*innen ermöglichen.

Gute Kunst braucht gute Arbeit. Wir knüpfen die Vergabe von öffentlichen Fördermitteln zwingend an soziale Standards, Tariftreue, branchenspezifische Honoraruntergrenzen und die gleiche Bezahlung aller Geschlechter.

Im Rahmen unseres sozial-ökologischen Umbaus wollen wir die öffentliche Daseinsvorsorge, zu der auch Kultureinrichtungen zählen, klimaneutral machen. Wir setzen dabei auf Sanieren statt Neu-Bauen, um die Graue Energie in Gebäuden weiter zu nutzen, und koppeln dies an ökologische Kriterien. Kultureinrichtungen und Bibliotheken unterstützen wir darin, nachhaltige Bautechniken und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Zudem stärken wir den Bestandsschutz für vorhandene Proben- und Produktionsräume, um einen energieintensiven, profitorientierten Neubau-Wahn zu verhindern.